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21.04.2017

Frischer Wind

Die rot-weiß-rote Segel-Flotte greift bunt durchgemischt beim Weltcup vor Hyeres an. Bargehr/Mähr feiern Comeback.

Zehn Monate nach ihrem letzten Weltcupstart feiern David Bargehr und Lukas Mähr ihr Regattacomeback im 470er. Bargehr, der sich im vergangenen November nach einem Bizepssehnenriss einer Operation unterziehen musste, kehrt damit früher als geplant an die Pinne zurück.

Gemeinsam mit Vorschoter Lukas Mähr absolvierte der Bregenzer zuletzt zehn Trainingstage in Split. Für das Ländle-Duo ist das Comeback gleichzeitig die Generalprobe für Monaco, wo ab 8. Mai um die EM-Medaillen gesegelt wird.

Thomas Zajac absolviert nach der Bronzefahrt von Rio seinen ersten Regattaauftritt mit Neo-Vorschoterin Barbara Matz. Aufgrund der Maturavorbereitungen der 19-jährigen Burgenländerin trainierte das Duo zuletzt vorwiegend vor der Haustüre am Neusiedlersee.

Der 470er-Junioren Steuermann Niko Kampelmühler (18) startet nach Miami in seine zweite Weltcupregatta, diesmal mit Zajacs Ex-Partner Thomas Czajka (31) an der Vorschot. Kampelmühlers Clubkollegin Angelika Kohlendorfer (18) debütiert mit der Oberösterreicherin Lisa Farthofer (25) im 49erFX.

Damit vollzieht Farthofer, Studenten Vize-Weltmeisterin im Rudern, einen Bootswechsel und wandelt auf den Spuren von Vater Michael, der im Soling an den Olympischen Spielen von Moskau (1980) und Los Angeles (1984) teilnahm. Ebenfalls im 49erFX gehen Tanja Frank (24) und Lorena Abicht (22) an den Start, Frank, die nach dem Medaillengewinn von Rio Boot und Position gewechselt hat, wusste bei ihrer Skiff-Premiere vor Miami mit Rang zehn durchaus zu überzeugen.

Noch besser erging es beim Saisonauftakt in Übersee Nico Delle Karth und Laura Schöfegger, die ihr Weltcup- und Regattadebüt auf zwei Rümpfen mit Rang drei zelebrierten. 

Apropos Nacra17: Der Katamaran wird bei den Olympischen Spielen in Tokio foilen, das ist mittlerweile offiziell. Erstmals als fliegende Klasse abheben will man bei der Europameisterschaft Anfang August in Kiel.

Während die Weichstellungen in Blickrichtung Tokio Formen annimmt, ist die segelsportliche Zukunft von Lara Vadlau und Jolanta Ogar weiterhin offen. Auch bei Matthias Schmid und Florian Reichstädter sind noch nicht alle Fragen restlos geklärt. Die heurige Weltcupsaison wird Mitte Juni in Santander finalisiert, die neue startet im Oktober im Olympiarevier von Tokio. Bis dahin soll das Team für 2020 auf Schiene sein.

Sven Reiger und Kurt Badstuber die in der paralympischen Klasse 2.4 an den Start gehen, komplementieren das OeSV-Team in Frankreich.

STIMMEN

Georg Fundak/OeSV-Sportdirektor:
„Wir sind breit aufgestellt, dass ist bei einem Weltcup mit beschränkten Teilnehmerfeldern und entsprechend hoher Qualität keine Selbstverständlichkeit und freut mich. Die Woche wird eine wichtige Standortbestimmung bei der wir unsere positive Entwicklung zeigen wollen, unser Ziel ist in zumindest zwei Klassen ins Medal Race zu kommen.“

Benjamin Bildstein: „Das Medal Race ist ganz klar unser Ziel, aber wir sind uns dessen bewusst, dass das alles andere als einfach wird. Palma hat aufgrund der Speed-Probleme die wir während der Regatta hatten, eine gewisse Verunsicherung ausgelöst. Umso wichtiger war das anschließende Training in Santander, wo wir mit unseren Trainingspartner und Spaniens Nummer eins, Botin/Lopez, einem zweiten spanischen Team und Italienern eine intensives Sparring hatten. Die Bedingungen waren perfekt, wir haben das Material nachgebessert und fühlen uns jetzt definitiv wohler. Wo wir tatsächlich stehen, werden wir in Hyeres sehen, wir sind zuversichtlich und freuen uns auf die Challenge.“

Thomas Zajac: „Barbara hat 48 Stunden nach dem Medal Race von Hyeres Matura, wir haben unsere Vorbereitung und Training danach ausgerichtet, der positive Schulabschluss steht definitiv im Vordergrund. Seglerisch sind wir noch ziemlich am Anfang, die Erwartungshaltung ist entsprechend gering. Wichtig ist so viel wie möglich mitzunehmen, um die weitere Saison und Trainingsschwerpunkte bestmöglich gestalten zu können.“

Nico Delle Karth: „In Miami haben uns die Bedingungen definitiv in die Karten gespielt, wir haben uns über den dritten Rang sehr gefreut, wissen aber, dass die Aufgabe in Hyeres weit schwieriger wird. Zum eine weil die Konkurrenz deutlich stärker ist, zum anderen weil wir so gut wie keine Erfahrung in der Welle haben. Wir gehen die Sache mit großer Vorfreude, gesundem Ehrgeiz und Demut an, die Qualifikation für das Medal Race wäre aufgrund der fehlenden Routine das Nonplusultra.“

Tanja Frank: „Wir stehen am Anfang, schauen, dass wir so viel wie möglich am Wasser sind und verfolgen die Politik der kleinen Schritte. Das was wir uns in Miami und zuletzt Palma vorgenommen haben, wurde gut umgesetzt, die Richtung passt. Das Bootshandling des Skiffs ist bei Starkwind die größte Herausforderung, der Lernprozess geht nicht von heute auf morgen. Hyeres ist bekannt für den Mistral und ein Revier, das unserer Unerfahrenheit bei Welle zum Ausdruck bringen wird. Wir werden uns so teuer wie geht verkaufen und schauen was dabei rauskommt, aufgrund der saustarken Besetzung darf man aber keine Wunderdinge erwarten.“

Lukas Mähr: „Wir sind brutal happy wieder zurück zu sein, wir haben das Segeln extrem vermisst und lechzen nach jeder Wasserstunde. Das Training in Split ist super verlaufen, wir sind überraschend schnell wieder reingekommen, man darf aber nicht vergessen, dass David punkto Belastung noch nicht ans Limit gehen kann. Seine Therapie dauert noch zwei Monate, dass wir jetzt schon im Boot sitzen, ist ein tolles Geschenk, das uns ungemein beflügelt. Wir sehen Hyeres als erste Standortbestimmung, wenn der Mistral durchbläst wird es schwierig, aber wie gesagt, wir sind dankbar wieder an Bord zu sein, wollen Selbstvertrauen tanken und positiven Schwung für die Europameisterschaft mitnehmen.